Atef Abu Saif · Reportage · 4. Mai 2026
Der palästinensische Schriftsteller Atef Abu Saif schildert seine Rückkehr ins Westjordanland nach fast einem Jahr Abwesenheit und macht an der eigenen Reise deutlich, wie beschwerlich Bewegungsfreiheit für Palästinenser:innen geworden ist: Es gibt keine direkte Verbindung nach aussen, der Weg führt über Jordanien und israelische Militärkontrollen. Er beschreibt einen Alltag unter zwei parallelen Rechtssystemen, die er als Apartheid bezeichnet — Siedler:innen unterstehen dem israelischen Zivilrecht, das bei Gewalt gegen Palästinenser:innen kaum greife, während die palästinensische Bevölkerung vor Militärgerichten mit Verurteilungsquoten von über neunzig Prozent steht. Die Siedlergewalt werde immer hemmungsloser, und jüngste Massnahmen markierten einen neuen Tiefpunkt: die systematische Registrierung palästinensischen Landes als israelisches Staatseigentum und der weitere Ausbau der Siedlungen. Das Ziel dahinter sei, den Menschen das Leben unmöglich zu machen und sie zu vertreiben. Der Text ist eine Reportage aus erster Hand, von Republik aus dem Englischen übersetzt.
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Ivo Scherrer · Essay · 14. März 2026
Ivo Scherrer versucht, legitime Kritik an Israel von Antisemitismus zu trennen — und zu zeigen, wie beides gezielt vermischt wird. Er erinnert daran, dass Jüdinnen und Juden in Israel wie in der Diaspora keine kollektive Verantwortung für die Handlungen der israelischen Regierung tragen, ein Gedanke, der in der aufgeheizten Debatte immer wieder verloren gehe. Ein grosser Teil des Essays untersucht, wie Antisemitismusvorwürfe und Holocaust-Vergleiche als politische Waffe eingesetzt werden, aus seiner Sicht besonders durch die politische Rechte in den USA. Er arbeitet die gängigen Prüfsteine durch, mit denen Kritik zu Antisemitismus erklärt wird — etwa das Argument, schon das alleinige Herausgreifen Israels sei ein Beleg für Voreingenommenheit. Auch die IHRA-Definition von Antisemitismus und die Instrumentalisierung einer dauerhaften Opferrolle nimmt er kritisch in den Blick. Am Ende plädiert er für neue Führungspersönlichkeiten auf beiden Seiten, für Druck von aussen samt Sanktionen und für eine starke Zivilgesellschaft, getragen von einer jüngeren Generation.
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Ivo Scherrer · Meinung · 27. September 2025
Geschrieben in den jüdischen Hohen Feiertagen, richtet Scherrer einen direkten Appell an die Schweizer Politik, dem Krieg in Gaza nicht länger tatenlos zuzusehen. Er verweist auf eine kurz zuvor veröffentlichte Einschätzung einer Kommission des Uno-Menschenrechtsrats, wonach Israel in Gaza einen Genozid begehe — eine Schlussfolgerung, die sich mit jener von Amnesty International, Human Rights Watch sowie den israelischen Organisationen B'Tselem und Physicians for Human Rights decke. Er zitiert Forschung, die die offiziellen Totenzahlen für deutlich zu tief hält und einen drastischen Einbruch der Lebenserwartung in Gaza dokumentiert. Zugleich hebt er dissidente israelische Stimmen hervor, darunter den früheren Knesset-Sprecher Avraham Burg und den Dirigenten Ilan Volkov, der bei einem Protest nahe Gaza festgenommen wurde. Scherrer argumentiert, die Schweiz sei nicht machtlos: Er fordert einen sofortigen Stopp von Dual-Use-Exporten nach Israel und die Aussetzung des Freihandelsabkommens zwischen der Efta und Israel. Ehrlich fragt er auch, warum so viele wegschauen — etwa aus Angst, als antisemitisch zu gelten —, und hält zugleich fest, dass Antisemitismus eine reale Gefahr bleibt.
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Ivo Scherrer · Essay · 19. Juli 2025
Ein persönlicher Essay des Politikwissenschaftlers Ivo Scherrer, der familiäre Bindungen nach Israel und eine enge Beziehung zum Judentum hat. Er beginnt mit der Angst in seiner eigenen jüdischen Familie in den Tagen nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober und wendet sich dann seiner Verurteilung des darauffolgenden Gaza-Kriegs zu. Gestützt auf Analysen von Forschenden in Grossbritannien und Israel schreibt er, die Zahl der Toten könnte bis Mitte 2025 auf bis zu 100'000 steigen — im Schnitt rund tausend Menschen pro Woche. Er gesteht, dass er sich lange gegen das Wort Apartheid für das Westjordanland gesträubt und die zwei getrennten Rechtssysteme, die willkürlichen Inhaftierungen und die Behandlung arabischer Staatsbürger:innen Israels als Menschen zweiter Klasse übersehen habe. Das Vorgehen der Regierung Netanyahu verurteilt er in schärfsten Worten und weist den Vorwurf, solche Kritik sei eine Form jüdischen Selbsthasses, als inakzeptabel zurück. Der Essay schliesst mit konkreten Vorschlägen, was Lesende und die Schweiz tun könnten.
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Ehud Olmert · Meinung · 29. Mai 2025
In diesem früheren Beitrag — einer deutschen Übersetzung einer zunächst in der «Haaretz» erschienenen Kolumne — verurteilt der ehemalige Premierminister den Gaza-Krieg in ungewöhnlich deutlichen Worten als sinnlosen Feldzug ohne klares Ziel und ohne Planung. Olmert sagt unmissverständlich, dass Israel Kriegsverbrechen begehe. Den Begriff der ethnischen Säuberung vermeidet er und grenzt sich vom früheren IDF-General Moshe Ya'alon ab, der ihn verwendet hatte — warnt aber, man nähere sich einem Punkt, an dem sich die Folgen des Handelns von Regierung und Armee nicht mehr leugnen liessen. Der Krieg müsse gestoppt werden, bevor Israel aus der Gemeinschaft der Völker verstossen und vor den Gerichtshof in Den Haag zitiert werde. Bemerkenswert ist der Text, weil er von einem Mann stammt, der jahrzehntelang der rechtsgerichteten Likud-Partei angehörte und einst das Land führte. Die Republik veröffentlichte die deutsche Fassung als ein nach eigener Beschreibung grundlegendes Dokument.
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Thomas Hummitzsch · Sachbuch-Essay · 22. Mai 2025
Ein Sachbuch-Essay des Kritikers Thomas Hummitzsch, der eine Reihe neuer Bücher sichtet, die den Krieg im Nahen Osten aus seiner langen Vorgeschichte heraus zu erklären versuchen. Besprochen werden unter anderem Werke des Genozidforschers Omer Bartov, des Essayisten Pankaj Mishra, des Schriftstellers Omar El Akkad sowie der Politikwissenschaftler:innen Muriel Asseburg und José Brunner. Ein roter Faden ist für ihn, dass sich der Konflikt ohne die tiefen historischen Wurzeln und die konkurrierenden Traumata beider Seiten nicht begreifen lässt. Er arbeitet den Gedanken heraus, dass eine geteilte Geschichte der Vertreibung nicht zu halbem, sondern zu doppeltem Leid geführt hat. Der Essay endet bei der Möglichkeit einer Zukunft, in der keine Seite frei von historischer Schuld ist, beide aber das Leben der Lebenden über das Leid der Toten stellen. Es ist der nachdenklichste Beitrag dieser Sammlung — und ein guter Einstieg in die weitere Lektüre.
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